Die TourNatur 2014 – Teil 1: Über Halle 2 und das Drei-Lagen-Bekleidungssystem

Letztes Wochenende fand in Düsseldorf zum 12. Mal die TourNatur, die „Nr. 1 Messe für Wandern und Trekking“, statt. Wieso das diesjährige Motto „Freiheit Pur“ heißt, habe ich bis jetzt noch nicht ganz verstanden. Letztes Jahr beim Motto „Wandern mit Kindern“ konnten sich die Aussteller und Vorträge wahrscheinlich gut am Thema orientieren. „Freiheit pur“ sagt, wie ich finde, nicht so viel aus. Wenn ich das Web nach möglichen Erklärungen durchsuche, hat jeder das Motto erwähnt, aber niemand hinterfragt. Klar verbinde ich Wandern mit Freiheit, die Seele baumeln lassen in der puren Schönheit der Natur, aber was bedeutet Freiheit in Bezug auf eine Messe, wo ich nicht einmal so oft durchs Drehkreuz gehen kann, wie ich gerne möchte und von roten Preisschildern möglicherweise zum Kauf beeinflusst werde? Naja, zumindest klingt der Slogan verheißungsvoll und ich lasse mich ja auch nicht direkt von attraktiven Angeboten manipulieren.

DSCI0867Am Messegelände angekommen, habe ich gleich den falschen Südeingang benutzt und bin eine Runde durch das Wohnwagenmeer der Caravan Salon 2014 geschlendert, bis ich in Halle 2/2 der TourNatur stand. Ich bin praktisch durch den Hintereingang rein und wurde vom Shoppingwahn vieler Leute überrumpelt. Mein erster vertrauter Lichtblick war der DAV mit sehr vielen Mitarbeitern, die den Kletterturm beaufsichtigten, die Kinder an der Slackline betreuten und natürlich für neue Mitglieder warben. Man lief entlang einer Zeltstadt mit Zeltformen aller Art und es gab einen Sinnespfad, um Wanderschuhe zu testen. Ich war beeindruckt von den günstigen Preisen, allerdings weniger von der Auswahl. Die großen Sportverkäufer Intersport und Karstadt waren vor Ort, sowie ein paar kleinere Geschäfte. Zu kaufen gab es überwiegend nur die Standardmodelle von Deuter und Co., was alles in großen Mengen bereitlag.

DSCI0863 Da ich eigentlich eh nicht zum shoppen da war, interessierte mich in dieser Halle am meisten der Stand von Schöneres Wandern, dem Praxistester des Wandermagazins, mit Tipps zu Ausrüstung und Wanderrouten. Dort habe ich mich längere Zeit mit Herrn Dr. Todt unterhalten und später noch einen guten Vortrag von Frau Dr. Poller über das 3-Lagen-Bekleidungssystem gehört.

Für die Outdoor-Profis unter uns bestimmt schon überflüssig, weil ihr längst Bescheid wisst. Ich dagegen grüble grundsätzlich jeden Tag darüber, was ich denn anziehe, und mit diesem witzigen und guten Grundlagenvortrag wurde mir zumindest für meine Tage im Grünen die Klamottenentscheidung um einiges erleichtert. Hier eine kleine Zusammenfassung:

Die Funktionen des 3-Lagen-Bekleidungssystems:

DSCI0853

1.Lage

Als erste Lage bieten sich enge Polyestershirts an, denn Polyester gibt die Feuchtigkeit nach außen weiter und trocknet schnell. Viele Shirts haben an den Schultern und unter den Armen zusätzlich besondere Strukturen: Zum einen für den besseren Feuchtigkeitstransfer, wo es besonders nötig ist, zum anderen als zusätzliche Polsterung. Der erhöhte Komfort ist besonders hilfreich, wenn man mit schwerem Gepäck unterwegs ist. Dann erinnerte uns der Moderator daran, dass Polyester einsam macht, denn länger als einen Tag kann man das Shirt meistens nicht tragen, und spätestens auf der Hütte sitzt man alleine am Tisch vor lauter Gestank. Als Alternative für Mehrtagestouren bieten sich daher Shirts aus Merinowolle an. Diese sehr feine Wolle kratzt nicht und wirkt gleichzeitig geruchshemmend. Der Nachteil der Wolle ist allerdings, dass die Feuchtigkeit nicht ganz so schnell nach außen transportiert werden kann. Bei Marathon- oder Bergläufen sollte deshalb auf jeden Fall zu Polyester gegriffen werden.

2. Lage

Als zweite Lage eignet sich optimal das gute Fleece. Neben dem Computer, der Anti-Baby-Pille u.v.m. gehört das Fleece übrigens mit zu den besten Erfindungen des 20. Jahrhunderts. Heutzutage ist es sogar möglich, Fleece aus recyceltem Polyester herzustellen. Es gibt sowohl das weiche Teddyfleece, welches wir als Wärmeschicht nutzen, als auch glattes Fleece, welches uns bestes Klimakomfort bietet. Das Fleece ist eine gute Alternative zur Daunenjacke, wobei die Daunenjacke sehr gut wärmt, weniger empfindlich ist bei Feuchtigkeit, und durch die synthetische Füllung optimal bei Wind schützt.

3. Lage

Je nach Wetterverhältnis, und wenn überhaupt notwendig, eignen sich für die dritte Schicht Softshell-/Hardshell oder Regenjacken.

Auf folgende Werte sollte beim Jackenkauf geachtet werden (Infos z.T. von Bergfreunde.de):

  • MVTR (Moisture Vapor Transmission Rate) bedeutet, wie viel Wasserdampf in 24 Stunden durch einen Quadratmeter Membranfläche hindurch dringt. Je höher dieser Wert, desto besser. Man sollte sich an einem Wert von 20.000 orientieren.
  • RET (Resistance to Evaporating Heat Transfe) bestimmt den Widerstand, den ein Stoff dem Wasserdampf entgegen setzt. Je niedriger dieser Wert, desto besser. Ein Wert von c.a. 5 steht dabei für eine sehr atmungsaktive Jacke.
  • Wassersäule: Wenn die Membran Wasser nach außen transportiert ist auch wichtig, dass kein Wasser von außen eindringt. Wenn man draußen im Regen aktiv ist, sollte das Material der Jacke Wassersäulen von etwa 10.000mm enthalten, damit die Jacke auch bei Bewegung und Belastung durch Gepäck an jeder Stelle dicht bleibt.

DSCI0864Regenjacken, ist klar, sind bei Regenwetter unverzichtbar. Softshelljacken sind der optimale Begleiter gegen Kälte und Wind, nicht aber bei Nässe, da sie aus einer  Wassersäule von nur etwa 6000mm bestehen. Die rauere und steifere Oberfläche der Hardshelljacken wird dagegen den Anforderungen bei Wind und Wasser gerecht.

 

Für eine bessere Luftzirkulation dienen Reisverschlüsse unter den Armen, was vor allem bei Regenwetter ab 20°C hilfreich ist. Beim Kauf ist wichtig darauf zu achten, dass die Kapuze immer genau am Kopf anliegt. Vor allem Radfahrer im Straßenverkehr sollten immer freies Sichtfeld haben und deshalb eine Kapuze, die sich zusammen mit dem Kopf dreht.

Zur Pflege der verschiedenen Lagen habe ich allgemein gelernt: Auf keinen Fall Weichspüler benutzen, denn der zerstört die Fasern. Flüssiges Waschmittel ist auf jeden Fall besser für die Pflege und Daunen tut es gut, falls auf dem Etikett erlaubt, zur Auflockerung eine Runde in den Trockner geschmissen zu werden.

Damit der Artikel nicht zu lang wird, erfahrt ihr im zweiten Teil von den Entdeckungen auf der TourNatur 2014 in Halle 1 und dem Vortrag von Alexander Huber. 🙂

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