1. Deutscher Bloggerwandertag – OutZeit auf dem Westweg im Schwarzwald

Die Schwarzwald Tourismus GmbH hat mich zum 1. Deutschen Bloggerwandertag auf den Qualitätsweg „Westweg“ eingeladen.

Qualitätsweg bedeutet, dass 9 Kernkriterien und 23 Wahlkriterien erfüllt werden müssen, und zwar aus verschiedenen Bereichen wie Natur/Landschaft, Kultur (Sehenswürdigkeiten, Denkmäler), Zivilisation (Anbindung, Gasthäuser, Parken), Wanderleitsystem (Wegweisung) und Wegeformat (Wegführung, Breite, Belag).*

Das Besondere am Westweg:

Moorpfad in Hinterzarten
Moorpfad in Hinterzarten

Im Gegensatz zu manchen Qualitätswegen, die anhand der oben genannten Kriterien gebaut worden sind, wurde der Westweg nur teilweise angepasst, verlegt und umgestaltet. Er diente bereits lange Zeit als Höhenweg zwischen Norden und Süden, unter anderen für die Händler der bekannten Kuckucksuhren aus dem Schwarzwald, bevor er schon 1890 vom Schwarzwaldverein als der älteste Fernwanderweg offiziell ausgeschildert wurde.

Wanderwochenende: 1. Deutscher Bloggerwandertag

Ich hatte Glück, dass ich mit einer Bekannten im Auto anreisen konnte, denn die ohnehin schon schlechte Ost-West-Verbindung von Passau bis Freiburg hat sich durch den Bahnstreik nochmals verkompliziert.

Wenn man im Schwarzwald angekommen ist, ist die Anbindung vor Ort sehr gut. Durch die Konus-Gästekarte (die KOstenlose NUtzung des ÖPNV für Schwarzwaldurlauber) ist man in der gesamten Ferienregion mobil. Für diejenigen, die etwas flexibler sein wollen, für die bietet der Hochschwarzwald Tourismus seit Neuestem E-Carsharing an. Und damit beginnt auch mein Abenteuer.

 

Nach viel E-Mail- und Telefonkontakt für die Planung des Wochenendes wurde es Zeit, Conni (Schwarzwald Tourismus) und Sabrina (Hochschwarzwald Tourismus) persönlich kennenzulernen. Sie haben mich am Bahnhof im bekannten Skischanzen-Ort Hinterzarten sehr herzlich empfangen. Nach einem Spaziergang durch das Hochmoor fuhren wir mit dem Elektro-Auto zum Mathislehof. Dort erwartete uns eine Führung über den Biohof, inklusive Käseverkostung. Besonders faszinierend ist, wie komplex die Jungviehaufzucht ist, und welche Altershierarchien unter den Kühen herrschen. Mich hat auch die Arbeit von Hofinhaberin Nicole beeindruckt: Sie kennt jedes Vieh bei Namen und sorgt für das Wohlbefinden aller Tiere auf dem 300 Jahre alten Bauernhof: Mit viel Liebe, Homöopathie und Versorgung der Tiere fast ausschließlich aus Eigenproduktion.

Berggasthaus Stübenwasen, Schwarzwald
Frühstück im Berggasthaus Stübenwasen

 

Am Abend packe ich noch ein Stück Bockshornklee-Käse ein und wandere die ersten fünf Kilometer zum Berggasthof Stübenwasen (1270m). Von außen scheint der Berggasthof etwas chaotisch, aber drinnen erwartet mich eine schöne alte Stube und sehr saubere Zimmer. Das Frühstück am nächsten Tag kann man gar nicht toppen: Regionaler Aufschnitt, von Schwarzwälder Schinken bis Molkenkäse, Müsli mit frischen sowie Trockenfrüchten, Saft, Kaffee und Biobrot – alles was das Wanderherz begehrt! Von hier aus starte ich meine 18 Kilometer lange Westweg-Route am 1. Deutschen Bloggerwandertag.

Wanderung auf dem Toptrail Westweg im Schwarzwald

Leider startet der Morgen sehr nebelig, was womöglich auch die Ursache dafür ist, dass wir tatsächlich die mit 44 Metern Längste Baumliege der Welt verpassen. Zum Glück können wir den Treffpunkt mit Feldberg-Ranger Tobias kaum verfehlen, der uns schließlich von der St. Wilhelmer Hütte bis zum Feldbergsee begleitet und mit wissenswerten Informationen füttert.

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Borkenkunde mit Feldberg-Ranger Tobias

 

Wie kommt es zu der alpinen Vegetation? Wieso stehen im Schwarzwald so viele Fichten? Wieso gibt es auf dem Feldberg überhaupt keine Bäume?

Welches Quellwasser kann ich trinken? Wieso ist der Naturschutz so wichtig, und welche Tierarten gibt es hier überhaupt zu schützen?

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Vor einigen Jahrhunderten schon, als der Ertrag der Holzwirtschaft nachgelassen hat, wurde der Feldberg abgeholzt und seitdem wird er als Weideland genutzt. Das Mittelgebirge im Schwarzwald ist starken Westwinden frei ausgesetzt, was für die großen Schneemengen im Winter sorgt. Nachdem der Waldbestand runtergewirtschaftet worden ist, wurde er mit schnellwachsenden Fichten wieder aufgefüllt. Mittlerweile entwickelt sich der teils unberührte Wald wieder auf natürliche Weise zu einem Mischwald mit Buchen und anderen Baum- und Strauchsorten. Bären und Wölfe sind leider schon längst ausgestorben im Schwarzwald, aber wenn man Glück hat, erblickt man einen Auerhahn. Der hält sich wegen seiner Leibspeise, der Heidelbeeren, immer noch sehr gerne in der Gegend auf und das soll auch so bleiben.

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Feldbergsee

 

Blick auf den Feldbergsee und die Westwegroute (durch den Wald und über beide grünen Wiesen)

Raimartihof im Schwarzwald

Nach unserer Vesper, der badischen Brotzeit, am Feldbergsee, kehren wir für den Nachtisch und einen Kaffee im alten Raimartihof ein. In der Stube mit urigem Kamin gab es eine klassische Kuchenauswahl von Schwarzwälder Kirsch bis Apfelstrudel. Dieser Berghof profitiert, wie die meisten der traditionellen Höfe, vom Tourismus, der sich seit dem Bau der Höllentalbahn 1887 und dem Bau des ersten Skilifts der Welt 1906 permanent weiterentwickelt und zur wichtigsten Ertragsquelle der Region geworden ist.

Blick auf den Feldberg, Schwarzwald
Vorhin noch im tiefen Nebel, jetzt im Sonnenstrahl: Der Feldberg

Langsam klärt der Himmel auf und die Sonne lässt sich blicken, doch wir sind schon längst nicht mehr auf der „Königsetappe“ des Westwegs, der Überschreitung des Feldberggipfels (1493m) unterwegs, sondern schon wieder beim Abstieg in den dichten Fichtenwald. Highlight unserer heutigen Tour ist deshalb nicht die Panoramasicht vom Feldberg, sondern der Ausblick auf den Feldberg, der uns nahe dem Häuslebauer gegönnt ist.

Obwohl wir gerade erst Pause gemacht haben, setzen wir uns an den Wegrand und genießen die Sonne und die Aussicht. Von dort aus sind es noch einmal gute sechs Kilometer bis nach Hinterzarten, teils über schmale Schotterwege, teils über kleine Pfade durch den Wald.

Einerseits freuen wir uns – langsam erschöpft – im schönen Hotel am Bach einzuchecken, andererseits sind wir traurig, dass der Hauptwandertag schon vorbei ist.

Hotel am Bach, Schwarzwald
Frühstück im Hotel am Bach

Die liebevolle Einrichtung des Altbaus sorgt gleich für Wohlbefinden und wir werden herzlich empfangen. Wäre es nicht so sonnig gewesen, hätten wir bestimmt noch länger den Blick vom gemütlichen Aufenthaltsraum in den schönen Garten genossen. Am Morgen gab einiges zu entdecken im Hotel: Die sehr stilvolle Einrichtung sorgte für Überraschungen, denn beim ersten Eindruck vom Vortag hätten wir nicht mit einem Star Wars – Bild oder einem bunten Kronleuchter gerechnet 😀 Am Frühstück hat mir besonders das frische Bio-Brot gefallen, und dass die Frühstückseier von männlichen Küken stammen, die häufig noch aus ökonomischen Gründen getötet werden.**

Westweg Tor "zum Höchsten", Feldberg, Schwarzwald
Die bekannten Westweg-Tore. Hier: Das Tor zum „Höchsten“, dem Feldberg.

Outdoor-Programm auf dem Feldberg im Schwarzwald

Am Sonntag haben wir noch ordentlich Programm: Ursprünglich hatten wir zwar nicht geplant, noch einmal auf den Feldberg zu wandern, aber das Kaiserwetter lädt uns zur Alpensicht ein. Wir wandern eine kleine, drei kilometer lange Route bis zum Bismarckdenkmal mit Aussicht auf den Feldbergsee und über die komplette Strecke, die wir am Vortag gelaufen sind. 🙂

Außerdem besuchen wir ein paar Attraktionen für Schwarzwaldbesucher:

Zuerst ging es ins Haus der Natur, welches eine große, dauerhafte sowie wechselnde Ausstellungen über die Geschichte des Schwarzwaldes und den Lebenswelten im Naturschutzgebiet Feldberg bietet. Eine Art Museumsbesuch klingt zunächst nicht nach Action, aber ich war begeistert von der Interaktivität, tollen 3D Bildern und den witzigen Ranger-Videos von Achim Laber. Der günstige, familienfreundliche Eintritt von 2-3 Euro p.P. lohnt sich auf jeden Fall für die vielen interessanten Informationen, die man bekommt.

 

Mittags hieß es dann: „Auf die Bäume, fertig, Los…“ Es war Zeit für meine erste Kletterwalderfahrung im Kletterwald Feldberg. Das Team um Sven und Co. ist sehr freundlich und hilfsbereit und hat uns Höhen-Parcour-Anfänger prima in die Welt der Baumkronen eingeführt. Der Kletterwald bietet sowohl Routen für Kinder ab 4 Jahren wie auch Leichte und Mittelschwere Erwachsenen-Parcours (bald gibt es einen neuen TÜV-geprüften schwierigen Pfad für die noch Mutigeren). Step by Step werden wir nach anfänglichen Schwindelproblemchen probierfreudiger und schwingen ganze zwei Stunden durch die Parcourvielfalt. Besonders hilfreich für das Klettern mit Kindern: Die Klettergurte sind mit dem neuesten Sicherungssystem „Smart Belay“ ausgestattet: Es verhindert das Aushängen beider Karabiner, da sich der eine Karabiner nur öffnen lassen, wenn der andere eingehängt und verriegelt ist.

Viel dazugelernt haben wir an dem Sonntag noch – von der Schwarzwaldgeschichte über Kletterwaldkunst. Und bei unserer Wanderung konnten wir auch das Wissen unseres Rangers anwenden und besordere Acht geben auf die Naturschutzhinweise.

Barcodes mit Wanderinformationen auf dem Westweg, Schwarzwald
Moderner Westweg: Barcodes mit Wanderinformationen

Fazit:

Vor allem haben mir die vielen urigen Höfe mit dem Schwarzwald-Charme gefallen. Außerdem fasziniert mich das alpine Feeling, das wir auf gerade mal knappen 1500m Höhe haben. Der Schwarzwald ist eine Region geprägt von Tradition und Natur, angepasst an moderne Trends: So gibt es auf dem Westweg verschiedene Etappen, auf denen man sich anhand von Barcodes zusätzliche Informationen über das Gebiet einholen kann. Die Elektronischen Carsharing-Autos habe ich ja oben schon erwähnt. Es war ein sehr schönes, aufregendes Wochenende!

Rast am Feldbergsee, Schwarzwald
Rast am Feldbergsee mit leckerem Bockshornklee-Käse vom Mathislehof.

Vielen Dank an GORE-TEX® für die Testschuhe mit der neuen Surround Produkttechnologie: Wasserdicht, und sehr komfortabel, auch ohne sie eingelaufen zu haben.

Ein ganz besonders herzlicher Dank geht an Top Trails of Germany für die tolle Idee des Bloggerwandertags, sowie an die Schwarzwald Tourismus GmbH und den Hochschwarzwald für die Einladung und die gute Organisation. Danke, Conni! Ich komme bestimmt wieder! 🙂

Quellen:

*Wanderbares Deutschland **Die Bundesregierung

 

 

 

 

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