Städtetrip nach Prag

Tschechien hat es mir angetan.

Ich bin fasziniert von unserem Nachbarland: Es liegt geich um die Ecke und ist dennoch in vielerlei Hinsicht so unterschiedlich.

Letztens bin ich erst in der Weltkulturerbe-Stadt Krumau gewesen und nun zieht es mich in die tschechische Hauptstadt.

 Anfahrt

Ich habe lange überlegt, ob ich mit dem Auto fahren soll. Da sich das Parken in Prag jedoch als recht kompliziert und teuer herausstellt, bin ich mit meiner Freundin Jenny von Regensburg aus mit dem Flixbus gefahren. Der Bus ist zwar nicht die pünktlichste Variante, aber für c.a. 30 Euro Hin und Zurück womöglich die günstigste und entspannteste.

Übernachtung

In Prag sind wir im Sir Toby’s Hostel im Viertel Holešovice im Norden der Stadt untergekommen. Es ist modern eingerichtet und gut ausgestattet. Die Mitarbeiter sind sehr freundlich und hilfsbereit. Das Hostel bietet ein vielfältiges Programm von Barbecue und Beer-Tasting bis zu eigenen Stadtführungen unter dem Namen „No umbrella“, um sich von den üblichen City-Touren zu unterscheiden.

 

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Sir Toby’s Ladies Room

 

Wir haben im 6-Bed-Ladies-Dorm eingecheckt und fühlen uns sehr wohl im recht einfach, aber liebevoll eingerichteten Zimmer. Der Dorm ist sogar schöner als das ein oder andere 2-Bett-Zimmer. Wer den Stil des Hostels mag, aber lieber weiter im Zentrum den „affordable luxury“ genießen möchte, kann sich auch in den Schwesterunterkünften Miss Sophies oder dem Czech Inn einquartieren.

 

Sights

 

Nach einer kleinen Stärkung fahren wir als erstes mit der Tram in Richtung Prager Burg. Ein guter Tipp ist es, bis zur Haltestelle Malovanka (Linie 25) zu fahren. Von dort aus ist der Fußweg sehr schön. Er führt durch die Gärten des Kloster Strahov. Man hat eine Traumaussicht auf die Stadt und befindet sich mitten im Grünen.

Je mehr wir uns der Burg nähern, desto intensiver erfährt man die Beliebtheit der Metropole. Sehr viele Touristen begutachten die wirklich beeindruckenden Gebäude, diesen riesen Burgkomplex und den unendlich weiten Ausblick über die Stadt.

 

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Karlsbrücke

 

Anschließend nähern wir uns der berühmten Karlsbrücke. Doch anstatt sie zu überqueren und von Menschen sowie touristischem Angeboten überflutet zu werden, bevorzugen wir einen Spaziergang über die Mánesův-Brücke mit einem tollen Blick auf die Karlsbrücke.

 

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Prager Burg in der Abenddämmerung

 

Wir lassen den Abend beim Sonnenuntergang mit Blick auf die Kloster- und Burgenlandschaft ausklingen. Der perfekte Ort dafür ist das edle Schiffsrestaurant Marina. Hier kann man entweder den Köchen beim Kochen zusehen oder den grandiosen Ausblick genießen.

Am 2. Tag nehmen wir an der No Umbrella-Stadtführung teil, die einmal wöchentlich (immer Dienstags) vom Hostel organisiert wird.

Richard ist ein leidenschaftlicher Stadtführer und kennt wirklich viele Geschichten und Anekdoten zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten im palace district. Unsere Tour beginnt an einem Stadttor in der Nähe des Belvedere, dem Lustschlösschen der Königin Anna (Letohrádek královny Anny). Die gesamte Architektur stammt vom italienischen Architekten Paolo della Stella, einer der bedeutendsten der Renaissance. Nach der Fertigstellung 1563 dient das Schloss mit dem türkisfarbenen Dach, das an ein Schiffsrumpf erinnert, als Sommerresidenz der Königin.

 

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Letohrádek královny Anny

 

Direkt vor dem Belvedere ist der singende Springbrunnen platziert. Wer den Springbrunnen „singen“ hören möchte, muss direkt unter dem Wasserbecken lauschen. Der Ballspielsaal (Míčovna) ist für mich das beeindruckendste Gebäude der königlichen Gärten. Ballspiele waren im 16. Jahrhundert ein beliebter Zeitvertreib des Adels und deshalb ließ Kaiser Ferdinand I diese „Indoor-Sporthalle“ bauen. Besonders faszinierend ist die Wandbemalung: Auf dem Gebäude sind die 4 Elemente, die 7 Kardinaltugenden und die 7 freien Künste aus der Antike zu erkennen.

 

 

Durch den königlichen Garten nähern wir uns der Burg und haben eine tolle Aussicht auf die Kirche – diesmal von der anderen Seite. Doch Richard hat keine Lust auf die Menschenmassen und führt uns einen Wanderpfad hinunter zum Hirschgraben, dem Schutzgraben der Burg. Durch einen neuen beleuchteten Tunnel gehen wir entlang des Flüsschens Brunice bis zu einem wilden, unbesuchten Park. Es ist wirklich verrückt, wie ruhig es dort es – keine 200m von Touristenströmen entfernt.

 

 

Die Orte der Führung haben mir sehr gut gefallen, aber die Dauer von über 3 Stunden hat meine Konzentration ganz schön herausgefordert. Zu viele Fakten, die ich mir leider gar nicht alle merken kann.

 

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Nach der Führung machen wir uns alleine weiter auf den Weg durch die Stadt.

 

Wallenstein-Garten
Wallenstein-Garten

 

Unser nächstes Ziel ist der Wallenstein-Garten (Valdštejnská zahrada). Der Eintritt ist frei und es gibt einiges zu sehen: Neben großen Karpfen im Teich, Pfauen und Eulen zeichnet sich der Garten durch den interessanten Aufbau und ein paar Kunstwerke aus. Vorbei am großen Teich und durch ein Labyrinth aus Hecken erreichen wir die Hauptattraktion des Gartens: Eine Wand, die an eine Tropfsteinhöhle erinnert. Bei genauem Hinsehen kann man verschiedene zum Teil gruselige Gesichter entdecken – wirklich ein etwas spezielles, aber durchaus beeindruckendes Werk.

 

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Altstädter Ring

Zuletzt spazieren wir über die Karlsbrücke durch die bisher umgangene Altstadt bis zum Altstädter Ring (Staroměstské náměstí), dem 9000m² großen Marktplatz mit Blick auf die Teynkirche und das Rathaus mit der astronomischen Uhr. Mittlerweile ist es schon etwas dunkel geworden und die Gebäude sind wunderschön beleuchtet. An jeder Ecke gibt es Straßenkünstler und ein Haus ist prachtvoller als das andere. Trotzdem bin ich erleichtert, als wir dem Trubel wieder entkommen sind, weg von den Menschen, die dir sämtliche Essens- und Pub-Crawl-Angebote machen wollen.

 

Essen und Trinken

Nachdem wir im Hostel eingecheckt haben, sind wir gleich um die Ecke gegenüber der Haltestelle Dělnická  auf eines der womöglich besten Kaffeelokale der Stadt gestoßen, dem Kavarna Oh la la. In diesem Café gibt es einfallsreiche und liebevoll servierte Snacks. Der Stil des Cafés verrät die französische Herkunft des Besitzers, und ist gleichzeitig von einem Hauch osteuropäischem Charme geprägt.

 

 

Bei der Stadtführung entdecken wir in der kleinenn Straße Nový Svět das gemütliche Café Kavárna Nový Svět, welches wir am Ende der Stadtführung wieder aufsuchen. Es gibt Suppen, Quiche, Kaffee und Kuchen. Ich weiß nicht wie es bei euch ist, aber in den kleinen modernen Cafés fühle ich mich immer so wohl und vergesse, mich in einer fremden Stadt zu befinden.

Weitere tolle neue Cafés in Prag findest du in diesem Artikel (expats.cz).

 

Eins meiner Highlights am Abend: Die böhmische Küche im Restaurant Pět Peněz. Das Essen ist großartig! In sehr netter Atmosphäre werden uns authentische und wirklich köstliche tschechische Speisen serviert – von Gulasch bis zu einem deftigem Käse mit Zwiebeln. Absolut empfehlenswert!

 

 

Den nächsten Programmpunkt würde es in unseren Städten wahrscheinlich so nicht geben: Als Absacker nach dem Essen wird es Zeit für meinen ersten Absinth. Ich bin zunächst etwas skeptisch wegen des immensen Alkoholgehalts, aber eine Kostprobe gehört hier in der Stadt anscheinend zum „Must Do“. Alleine wegen der Zubereitung ist eine Bestellung lohnenswert. Es erinnert mich an unsere Feuerzangenbowle: Zucker wird mit Absinth übergossen, angezündet und in den mit Wasser verlängerten Absinth geschmolzen. Wer den leichten Geschmack von Anis mag, dem kann ich einen Drink empfehlen, aber es ist bestimmt nicht Jedermanns Geschmack. Es gibt auch eine Vielzahl an Absinth-Sorten. Ich habe mich für eine etwas leichtere Frauenvariante entschieden und war danach auch noch sehr gut in der Lage, den Stadtspaziergang fortzusetzen 🙂

 

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Beer-Tasting @ Sir Toby’s

 

Beim Beer-Tasting im Hostel erfahren wir nicht nur, dass Tschechien das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Konsum von Bierspezialitäten ist. Wir werden im urigen Pub im Gewölbekeller mit den verschiedensten Geschmacksrichtungen und der tschechischen Bierkultur vertraut gemacht – Helles, Dunkles, Lager, Starkbier etc. Alle möglichen Sorten werden durchprobiert und genauer unter die Lupe genommen. Gut, dass die meisten Gäste gerade einen Besuch auf dem Oktoberfest hinter sich haben und geübte Biertrinker sind. Eigentlich bin ich ja kein großer Fan von dunklem Bier, aber das Kozel hat mich beim Tasting überzeugt.

 

Wieso ich die Gegend des Hostels sehr schätze?

Sie besteht nicht nur aus den für Prag typischen alten Gebäuden. Wenn man durch das Viertel schlendert, findet man auch Spuren des Kommunismus, die sich in unschönen Plattenbauten wiederspiegeln. Die Gegend ist also architektonisch nicht ganz so perfekt wie die hübsche Altstadt, hat meiner Meinung nach aber gerade deshalb jede Menge Charme.

Ein Ort, der diese verrückte, multikulturelle Szene dieser Gegend repräsentiert ist definitiv der Crossclub. Der Club zeichnet sich durch seine futuristische Architektur mit vielen künstlerischen Details aus. Mir hat der Club sehr gut gefallen, weil er sowohl bei Tschechen als auch bei Touristen beliebt ist und sich durch eine Musikauswahl jenseits des Mainstream auszeichnet. Wer etwas wählerischer ist, informiert sich am besten vorher über das Abendprogramm. Es kann nämlich auch vorkommen, dass nur sehr harte elektronische Musik und Dub gespielt werden.

 

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Biergarten des Crossclub

 

Fazit

Ich bin sehr begeistert von dieser vielfältigen Stadt und der Mischung aus alten Gebäuden und modernen Einrichtungen. Die Stadt ist voll mit historischen Denkmälern und zahlreichen Türmen. Dabei findet man eine Mischung aus gotischen, romanischen, barocken und vielen weiteren Stilen an einem Ort. Kulinarisch und erlebnismäßig hat die Stadt einiges zu bieten!

Ward Ihr auch schon einmal in Prag? Was sind eure favourite Spots?

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