Vulkantrekking auf Bali: Mount Batur

Fünf Wochen lang trage ich schon meine schweren Wanderschuhe im Rucksack.

Eigentlich hatte ich große Tourenpläne für Indonesien, doch mein Surffieber, mein Zeitmanagement und die Regenzeit haben mir einen Strich durch die Rechnung der Rinjanji-Tour auf Lombok gemacht.

Mittlerweile bin ich auf Bali angekommen, habe viel Gutes über den inaktiven Vulkan Batur gelesen und bin gespannt auf die gebuchte Tour.

Um ein Uhr in der Früh hieß es: „Aufstehen!“. Wir waren froh, endlich aus unserem warmen Schlafraum in die kühle Nachtluft entfliehen zu können. Mit sechs Leuten in einem Van werden wir in zwei Stunden von Canggu (nördlich von Kuta) auf die entgegengesetze Seite der Insel gebracht. Gegen halb drei legen wir eine Frühstückspause ein. Das Frühstückslokal ist vielmehr praktisch als schön eingerichtet, aber es ist ja eh dunkel draußen und unsere Augen sind noch ganz klein. Unsere Sitznachbarn beneiden uns um unsere weise Entscheidung, Tee statt „Krümelkaffee“ zu bestellen 🙂 Um drei Uhr kann die Wanderung gestärkt mit Bananen-Pancake losgehen.

Im stockdunkeln, mit Taschenlampen bewaffnet, spazieren wir den teils steinigen, teils sandigen Weg entlang, vorbei an Tomaten- und Chilifeldern. Da der Mond recht hell ist, können wir schon die Umrisse des 1717 Meter hohen Berges erahnen, genauso wie den ordentlichen Aufstieg, der uns bevorsteht.

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Wir haben bis zum Sonnenaufgang noch 1,5 Stunden Zeit für 5km und 700 Höhenmeter. Die Luft ist zum Glück recht kühl und der Pfad die meiste Zeit gut begehbar. Erst kurz vor dem Gipfel erschwert sich der Aufstieg durch die Massen an Vulkanasche, die wir zu durchqueren haben. Hierfür hat es sich gelohnt, die Wanderschuhe sechs Wochen lang mitzuschleppen. So bleibt mir der Ärger mit dem Staub und der ein oder andere Ausrutscher erspart. Erst kurz vor dem Gipfel haben wir die Menschenmassen zu Kenntnis genommen, die hinter uns den Vulkan hinaufstapfen. Mit ihren Lampen sehen sie aus wie eine unendlich lange Ameisenstraße, die sich den Berg hinaufschlängelt.

Oben am Gipfel machen wir es uns gemütlich, werden mit Ingwertee und Frühstück versorgt – diesmal gibt es Bananen-Toast. Wir haben genug Zeit, uns vom Aufstieg zu entspannen und auf den Sonnenaufgang zu warten. Es ist immer noch sehr frisch und wir sind froh um unsere Wechselklamotten und zusätzliche Jacken.

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Langsam sieht man dann endlich, wie die Sonne aufgeht und alle umliegenden Berge und das Meer beleuchtet: Der 3.700 Meter hohe Rinjani auf Lombok liegt direkt vor uns, daneben der 3.100 Meter hohe Vulkan Agung. Der Batur-See liegt uns zu Füßen und der große Krater des ehemals aktiven Vulkan Baturs im Rücken.

 

Für den Ausblick hat sich die Tour auf jeden Fall gelohnt und wir hätten noch Stunden dort sitzen können. Unser Guide ist wirklich sehr sympatisch, und Sicherheit steht an erster Stelle:

Auf einen Guide kommen nur 4 Touristen, sodass eigentlich nichts schiefgehen kann. Am obersten Punkt bekommen wir auf verständlichem Basis-Englisch ein paar Informationen über die umliegende Landschaft:

Der große Krater des Mount Batur lag einst höher als der Vulkan Agung (>3000m). In den letzten 30.000 Jahren haben sich die Schichtvulkane durch Erruptionen und Erdbeben zu der Berglandschaft verändert, die sie nun ist. Der große Krater ist seit 1968 nicht mehr aktiv, doch die kleineren Nachbarvulkane spucken immer noch alle paar Jahre Lava.

20150410_070621Beim Abstieg konnten wir trotz der Inaktivität die brodelnde Hitze im Inneren des Berges sehen und spüren können: Aus einigen Erdlöchern strömt warme Luft hervor, die bei manchen Wanderungen sogar zum Eierkochen verwendet wird.

Insgesamt bin ich sehr beeindruckt von der Landschaft Indonesiens. So grüne Wiesen und Bäume, See, Meer, Berge und Vulkankrater, freie Sicht auf die Nachbarinseln und landwirtschaftlicher Anbau von exotischem Gemüse und Früchten – viele aufregende Natureindrücke, die ich in Europa noch nicht bekommen habe.

20150410_064849Die Atmosphäre, die ich mir generell bei einer Wanderung erhoffe, wird hier aber leider durch die vielen Touristen zerstört.

Was beim Aufstieg in der Dunkelheit durch die vielen Lichter amüsant ist, stört beim Abstieg einfach nur: Hunderte Menschen verschiedener Gruppen und Geschwindigkeiten wollen alle gleichzeitig den einen Pfad wieder hinunter. Keine Zeit die unberührte Natur in Ruhe und ohne viele Köpfe im Blickfeld zu genießen.

Die Umgebung ist zwar beeindruckend, der Vulkan mit seinen dampfenden Höhlen faszinierend, der Service und die Versorgung wirklich gut, aber das Gesamterlebnis meiner Meinung nach kein Muss bei einem Besuch auf Bali.

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