Das Wandersymbol des Rennsteigs, Thüringen

Thüringer Rennsteig: Ein Weg für alle Fälle

Der Rennsteig im Thüringer Wald gilt als ältester und bekanntester Fernwanderweg Deutschlands. Der Beerberg ist dabei mit 983 m ü.NN der höchste Berg. Der höchste Punkt ist jedoch der Aussichtsturm auf dem Schneekopf mit genau Tausend und einem Meter.

Deutsches Mittelgebirge mit 1000 Metern finde ich an sich ja schon spannend. Und dann ist da noch das Örtchen Oberhof. Oberhof gilt als das „St. Moritz des Ostens“ zum einen, als staatlich anerkannter Luftkurort zum anderen. Es ist seit über Hundert Jahren als Wintersportzentrum bekannt, und dazu als Austragungsort der Biathlon- (2004) und Rennrodelmeisterschaft (1973, 2008). Der Ort ist damit fast genauso traditionsreich wie der ehemalige Handels- und Grenzweg, der Rennsteig.

Mit einer Bahnverbindung begann das Tourismusgeschäft 1884. 1906 wurde hier die erste Skisprungschanze erbaut und die damals modernste Bobbahn Europas. Modern, weil ein Lift sie zum Vorreiter-Modell machte.

Aber wie sieht es eigentlich heute dort aus? Taugt der Thüringer Wald als Wanderregion und Oberhof als Urlaubsort? 

Tiefe Winter in Oberhof: Das Pano kurz nach seiner Fertigstellung.
Tiefe Winter in Oberhof: Das Pano kurz nach seiner Fertigstellung. (Bild aus dem DIA-Vortrag mit Ed Köhler)

Um das herauszufinden hat die H-Hotels-Gruppe im August ein paar von uns Bloggern eingeladen. Über 50 Jahre prägt das Treffhotel Panorama Oberhof schon das Ortsbild. Die Architektur gleicht einer Skisprungschanze und dieses riesige Gebäude mit über 900 Betten wird von allen Einwohnern liebevoll „das Pano“ genannt.

Der Rennsteig – „Einer für alle(s)“

Genauso wie die Oberhofer ihr Pano lieben, lieben die Thüringer ihren Rennsteig. Die Meisten bewandern den 169,3 Kilometer langen Traditionsweg mindestens einmal im Jahr; zum Runterkommen und Nachdenken, um dem Alltagsstress zu entfliehen, oder einfach um die Natur zu genießen.

Panoramablick am Schneekopf, Thüringen, Rennsteig
Panoramablick am Schneekopf

Der Rennsteig: Ein Höhenweg für Jedermann

Der Rennsteig wird als „Einer für alle“ bepriesen.

Alle. Damit gemeint sind Groß und wirklich Klein. So klein, dass sie noch gar nicht wandern müssen. Der ehemalige Handelsweg ist an vielen stellen so breit, dass er auch für Sportkinderwagen geeignet ist. Manche Teile des Rennsteigs sind sogar explizit als Kinderwagen-Wanderweg ausgeschildert.

Rennsteig, Thüringen: Kinderwagentaugllich & familienfreundlich
Der kinderwagentaugliche Rennsteig

Alle. Damit gemeint sind Jung und Alt. Der Rennsteig ist ein Kammweg, das heißt die meisten Höhenmeter befinden sich in der ersten und letzten Etappe, dazwischen wandert man meistens zwischen 700 und 850 müNN. Was die Trittsicherheit anbelangt würde ich die Etappen auch als überwiegend leicht einschätzen, wobei wir ja nur ein Teilstück kennengelernt haben. Der Rennsteig eignet sich also perfekt für einen Familienurlaub und auch für Wanderer fortgeschrittenen Alters.

Lunch am großen Beerberg, Rennsteig, Thüringen
Gemischte Renner-Truppe: Blogger- Lunchzeit am Beerberg.

Der Rennsteig: Ein Waldweg für jeden Sport

Der Rennsteig wird außerdem als „Einer für alles“ bezeichnet. Damit sind jegliche Outdoor-Sportarten gemeint.

Alles. Dort kann man Wandern: Und zwar in einer bedeutsamen Moorregion, die sogar als UNESCO Biosphärenreservat unter Naturschutz steht. Die seltenen Hochmoore sind nach der Wende aufwändig renaturiert worden, bieten aber schon seit rund 800 Jahren einen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen. Moore wachsen jährlich 0,1mm. In den 800 Jahren haben sie es also geschafft ganze 7-8 Zentimeter tief zu werden. Ein wirklich erstaunliches Naturphänomen, welches unter Naturschutz steht und im Thüringer Wald daher leider nicht für Wanderer zugänglich ist.

versteckte Hochmoore am Rennsteig in Thüringen
Irgendwo im Wald befinden sich diese wertvollen Hochmoore. Leider sind sie aus Naturschutzgründen nicht begehbar.

Alles. Dort kann man Mountainbiken: Auf dem Rennsteig-Radweg stehen den Radsportlern 201km Rad-Strecke zur Verfügung – mit viel Wald und Wurzelgebiet und ein paar tollen Aussichten zwischendurch.

Alls. Dort kann man Skiwandern: Oberhof ohne Wintersport – kaum vorstellbar! Im Spätsommer beginnen schon die Biathlon-Trainingseinheiten und die ganze Region macht sich fit für die Winterspiele. Auf den breiten Wanderwegen flitzen Menschen mit rollenden Skiern und sobald der erste Schnee fällt, wandelt sich der Rennsteig in den längsten Skiwanderweg Europas mit 142km Länge. Schneefall-Garantie gibt es übrigens ab Januar.

Skier als Richtungsweiser zur Suhle Hütte
Die Skier zeigen, wo es langgeht. In diesem Fall: Zur Suhle Hütte.

Fazit zum Rennsteig-Kurzurlaub

Der Rennsteig ist ein vielfältiger Wanderweg was die Zielgruppe und die Sportarten angeht. Wer einmal in Thüringen ankommt lässt sich schnell von der Euphorie der Einheimischen über ihren historischen Handelsweg anstecken. Ich finde super, dass der ursprüngliche Verlauf des Rennsteigs beibehalten und nicht für eine Zertifizierung angepasst wird. Entsprechend hat der Weg aber auch stellenweise für anspruchsvolle Wanderer und Kraxel-Fans nicht besonders viel zu bieten und zeitweise brummen die Motorradfahrer unmittelbar am Rennsteig vorbei. Zum rauskommen und für das Naturerlebnis eignet er sich jedoch allemal.

Natur auf dem Rennsteig.
Natur auf dem Rennsteig.

Thüringen und Oberhof besitzen eine interessante Geschichte, die lange Zeit vor der DDR begann. Es lohnt sich, die Ohren zu spitzen und Ausschau zu halten nach den Zeitzeugen und Weltmeistern des Wintersports, wie zum Beispiel Alexander „Rödi“ Rüdiger oder Ed Köhler, der uns im Pano mit einem original DIA-Vortrag begeistert hat und aktiv Biathlon-Schnupperkurse hält (weitere Veranstaltungen auf Anfrage über das Pano).

Oberhof: Idyllisches Dörfchen, wenn nicht gerade Hochsaison im Winter ist.
Oberhof: Ruhiges, idyllisches Dörfchen, wenn nicht gerade Wintersport-Hochsaison ist.

Weitere Attraktionen & Aktivitäten in Oberhof

Kulinarisch hat die Gegend ganz klar zu bieten: Thüringer Bratwurst & den Knödel.

Wieso nicht einmal selbst Hand anlegen und Knödel zubereiten. Es ist ganz schön mühselig die Kartoffeln so fein zu reiben und teils roh, teils vorgekocht zu einer perfekten Konsistenz zu bekommen. Der Aufwand spiegelt sich definitiv im Geschmack wieder! Für einen Knödelkochkurs steht die Knödelkönigin Silke Rammig zur Seite.

Die wohl idyllischste Thüringer Bratwurst hatten wir in einer gemütlichen Hütte mitten im Thüringer Wald im Rahmen einer Kutschfahrt. Eigentlich bin ich kein großer Fan der Fortbewegung, aber die Kutschpferde sind wirklich beeindruckende Tiere und es ist noch einmal ein ganz anderes Gefühl, den Wald ohne eigenen Schweißaufwand, stattdessen bei einem kühlen Bier zu erleben.

Eine tolle Aussicht und ein guter Platz für eine Wanderpause ist das Rasthaus & Waldhotel Schmücke. Es ist die höchste Ansiedlung am Rennsteig und gehört zu den traditionsreichsten Gasthäusern des Landes.

Kutschfahrt in Oberhof auf dem Rennsteig.
Beeindruckende Tiere in schöner Umgebung: Kutschfahrt in Oberhof auf dem Rennsteig.

Ward Ihr schon einmal auf dem Rennsteig unterwegs? Erzählt mir von Euren Etappen! 

Weitere Bloggerbeiträge

Jutta @ ich…einfach unterwegs: Wandern mit Tradition – über den Rennsteig zum Schneekopf

Joachim @ anders wandern: Wanderblogger in Oberhof auf dem Rennsteig

Marc @ Marc Bender Photography: Wanderbloggerwochenende in Oberhof

 

Hinweis: Die Einladung zur Pressereise beeinflusst nicht meine persönliche Meinung. 

6 thoughts on “Thüringer Rennsteig: Ein Weg für alle Fälle

  1. Hallo Simone,

    der Rennsteig hat mir auch super gefallen. Ich bin damals allerdings den kompletten Rennsteig gelaufen und ich fand ihn recht abwechslungsreich. Es gibt Etappen, da ist mehr los und es gibt andere Abschnitte, da läufst du auf einem kleinen Weg und es ist kaum ein Wandere zu sehen. Eine kleine Zusammenfassung der einzelnen Etappen habe ich kurz zusammen geschrieben und ist hier https://www.overlandtour.de/rennsteigwanderung/ nachzulesen.

    Viele Grüße
    Jens

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  2. Haha, hat bei mir was gedauert, bis die richtigen Verknüpfungen zustande kamen im Kopf. Meine erste Frage war: Wo hast Du denn das Foto her? Will ich auch! Und vor allem die Gestaltung mit dem schicken schwarzen Rahmen. Später fiel mir dann selbst ein, dass das ja aus dem Dia-Vortrag stammt. Aber da war der Kommentar schon geschrieben. Manchmal bin ich einfach zu schnell.

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