Frische Makrelen aus dem Stongfjord

Vom Fischen und Filetieren – Ersterfahrungen in Norwegen

Letzter Tag der #Fjordchallenge 2016, aber noch nicht der letzte Bericht… 🙂

Vielleicht habt ihr ja schon von meinen Ersterfahrungen bei dieser Gruppenreise gelesen, vom Kajaken und Mountainbiken oder von unserem Segelabenteuer?

In diesem Artikel geht es um die nächste Ersterfahrung, die die #Fjordchallenge mit sich bringt: Er handelt vom Fischen und Filetieren.

Mit toten Fischen habe ich in meiner Kindheit schon erste Erfahrungen gemacht: Mein Bruder und ich sind auf der Maas in Holland Paddelboot gefahren und entdecken diesen Fisch auf der Wasseroberfläche. „Den nehmen wir für unsere Eltern mit!“, dachten wir und luden das Teil mit dem Paddel ins Boot. Keine gute Idee, denn so schnell wurde ich den Gestank von meinem Bikini nicht mehr los. Der kleine feine Unterschied zur Fischfang-Erfahrung in Norwegen: 1) Die Fische schwimmen lebendig in den Tiefen der Fjorde. 2) Sie müssen noch getötet und 3) von uns gegessen werden.

Am letzten Tag der #Fjordchallenge ist es unsere Aufgabe für das Abendessen selbst zu sorgen. Eigentlich hatte Timo eine Fahrt mit einem Fischkutter geplant, der jedoch leider in der Woche unseres Besuchs reparaturbedürftig gewesen ist. So sind wir auf die kleinen Motorboote umgestiegen, was vor allem Bianca viel Freude am Steuer bereitet hat.

Mit dem Motorboot über den Stongfjord
Bianca am Steuer bei einer Spritztour über den Stongfjord. Foto: Simona @simazo_

So fahren wir ein kleines Stück fjordauswärts und gehen unsere Tagesaufgabe an. Timo erklärt uns den Umgang mit den Angeln, unseren „Waffen“ für die „Mission Fischfang“ und gibt uns schnell das Zepter in die Hand. Wir haben zum einen gewöhnliche Angelrouten und zum anderen Handangeln, die direkt neben dem Boot sehr weit in die Tiefe des Fjords reichen.

2 Makrelen an der Handangel
2 Makrelen an der Handangel – Ein Kinderspiel für Timo. Foto: Simona @simazo_

Spannend wird es, als es an der ersten Schnur anfängt zu ziepen. Gleich zwei Makrelen haben angebissen. Schon völlig in der Routine meistert Timo den Prozess mit Gelassenheit: Haken entfernen, Hammer in die Hand und Kopfschlag. Die Mädels sind sich einig: Das Boot bietet zwar Platz für 6 Personen, aber nicht für ein paar blutende Makrelen, die nach dem Tod noch weiterzappeln.

Besonders Bianca vom Lebedraussen-Blog hat sich vielmehr der PS unterm Hintern erfreut als unserer Tagesaufgabe für Essen zu sorgen, wie sie in ihrem Bericht „Auf Tod und Versagen“  noch genauer schildert.

Auf Seelachs-Jagd
Severin und Rene auf Seelachs-Jagd, oder eben das, was gerade anbeißt. Foto: bruderleichtfuss.com

Schritt für Schritt zum Angelmeister

Nichts desto trotz bin ich nun an der Reihe. Ich will es einfach probieren. Es gehört zum Leben da draußen dazu und ich bin mir sicher, dass ich meine Kenntnisse irgendwann fern der #Fjordchallenge noch einmal gebrauchen kann.

Es dauert eine kleine Weile, bis die nächsten zwei Fische anbeißen. Severin hat mittlerweile sogar schon einen schönen Seelachs geangelt. Zugegebenermaßen müssen wir googlen, mit welchem Exemplar wir nun die Ehre haben. Wirklich peinlich, dass man mit Seelachs nur das weiße, tiefgefrorene Filet in Verbindung bringt, aber nicht sagen kann, wie seine Flossen aussehen.

Dann regt sich auch etwas bei mir an der Handangel. Ich bin ziemlich nervös und muss zweimal kräftig durchatmen, als ich meine Opfer an der Wasseroberfläche bereits erkennen kann. Hochkonzentriert lausche ich den Anweisungen von Timo:

Anleitung: Schritt für Schritt zum Tod des Fischs

  1. Nimm den Fisch in die Hand. (Vorsicht! Sehr, sehr glitschig!)
  2. Entferne den Haken aus dem Mund (Schau dem Fisch nicht in die Augen. Mitleidgefahr!)
  3. Im besten Fall: Genickbruch. Das ist der kürzeste und schmerzloseste Prozess. Für die Anfänger: Nimm einen Hammer in die Hand und schlage kräftig auf den Kopf. (Vorsicht! Die eigenen Finger könnten im Weg sein. Ich muss noch einmal nachgreifen und habe Angst, dass mir das zappelige Ding aus den Händen rutscht, obwohl ich gefühlt schon dabei bin es zu zerquetschen.)
  4. Werfe ihn zu den anderen in einen Eimer (und beobachte auf keinen Fall, wie er sich noch bewegt. Er ist schon tot, auch wenn es nicht danach aussieht!)

Adrenalin hoch 10 sage ich euch! Doch damit liegt der Fisch noch lange nicht auf dem Grill.

Fische filetieren
Blutige Angelegenheit: Fische für den Grill vorbereiten. Foto: Simona @simazo_

Schritt für Schritt auf den Grill

Nach ein paar Extra-Schleifen mit dem Boot geht es an die Verarbeitung. Timo macht es uns wieder vor. Dann darf jeder einmal zum Messer greifen. Die meiste Mühe gibt sich hierbei Rene. Zuerst wird der Kopf entfernt und den Möwen zum Frass gegeben, anschließend die Gedärme. Ich glaube, wir sind alle froh, als der Prozess vorbei ist.

Die sauberen Fischstücke in der Küche lassen das ganze Blut und Leiden der vorherigen Stunde fast vergessen. Etwas Zitrone, Knoblauch und Chili für die Marinade und fertig ist der Fisch. Unser Mittelalter-Meister Severin kümmert sich derweil um das Feuer auf dem Grill und so haben wir gemeinsam ein wunderbares Abschiedsessen gezaubert.

Barbecue im Sonnenuntergang, Norwegen
Barbecue mit eigens gefangenem Fisch im Sonnenuntergang. Foto: bruderleichtfuss.com

Einen Fisch selber zu fangen, zu verarbeiten und zu verspeisen ist wirklich eine wahnsinnige Erfahrung gewesen, die sehr viel Überwindung gekostet hat. Die Überwindung, die einem leichter fällt, wenn man so hilfsbereite Outdoor-Menschen um sich herum hat. Ich habe sehr viel am heutigen Tag gelernt.

Der Bericht ist vielleicht etwas makaber, aber „fischen und filetieren“ gehört in Norwegen zum Alltag dazu: Kurz vor Sonnenuntergang steigen die Bewohner auf ihr Boot und angeln sich ihr Abendessen. Deshalb bin ich dankbar für die Erfahrung. Danke Timo!

Zu guter Letzt werde ich im nächsten Artikel von der Zweitageswanderung erzählen, dem „Highlight der #Fjorchallenge“ berichten, wie Timo schon bei der Planung der Aktivitäten damals versprochen hat 🙂

2 thoughts on “Vom Fischen und Filetieren – Ersterfahrungen in Norwegen

  1. Hallo Simone,

    ach, da werden Erinnerungen wach! Auch ich bin an diesem Tag an meine Grenzen gestoßen und konnte dabei viel über mich lernen. Vor allem: Motoren liegen mir einfach mehr 😉 Dennoch gab es eine ganz wichtige Lektion: Wir sollten jederzeit achtsam und wertschätzend mit unserem Essen umgehen. Danke für Deinen Bericht und die Verlinkung ❤

    Liebe Grüße,
    Bianca

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    1. Danke für deinen Kommentar, Bianca! Ich stimme dir voll zu. Man ist an Grenzen gestoßen und hat dabei über unseren Lebensmittelkonsum nachgedacht. Wenn ich Lachs im Supermarkt kaufen möchte, wird mir immer noch ganz schaurig, nachdem wir gesehen haben, wie sie gezüchtet werden..

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