Elbsandsteintürme an der Bastei, Sächsische Schweiz

Malerweg Sächsische Schweiz – die Crème de la Crème unter den Wanderwegen

Wenn Deutschland ein Schlaraffenland ist mit einer großen Auswahl an süßen und deftigen Wanderwegen, dann ist der Malerweg in der Sächsischen Schweiz wohl die Crème de la Crème unter den Sahnestücken.

Das Elbsandsteingebirge bietet sich mit nur zwei Stunden Entfernung und guter Anbindung von Berlin aus wunderbar als Nachspeise eines kurzen Städtetrips an. Da können meine Füße natürlich nicht widerstehen…

Malerweg: Jede Etappe ein genüsslicher Höhepunkt

Der Malerweg ist 112 Kilometer lang und teilt sich in 8 Etappen. Insgesamt gibt es rund 4.000 Höhenmeter zu bewältigen. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der Zschirnstein mit 473 Metern der höchste Punkt der Sächsischen Schweiz ist.

Drei Tage habe ich im März Zeit um dort mit einem Überschuss an Natureindrücken zu sündigen. Ich muss mich bei den Etappen also für drei der acht Köstlichkeiten entscheiden und setze voll und ganz auf die Empfehlung von Jörg (outdoorsuechtig.de), der schon den ganzen Weg gewandert ist: Die Etappen 2-4, die sind besonders schön!

Erster Tag auf dem Malerweg: Klitschnass, aber zufrieden

Ich starte die Etappe 2 am Bahnhof Wehlen. Zuerst überquere ich mit einer Fähre die Elbe und dann geht es gleich bergauf: Die erste Kostprobe der zahlreichen Treppenstufen; viele weitere werden Folgen. Wer den Malerweg bewandern will, muss auf jeden Fall ein Liebhaber von stufenweise Auf- und Abstiegen sein.

Zum Startpunkt der Etappe 2 des Malerwegs: Über die Elbe in Wehlen
Zum Startpunkt der Etappe 2 über die Elbe in Wehlen
Malerweg Etappe 3, Sächsische Schweiz
Malerweg: Ganz schön viele Stufen bringen einen ganz schön schnell nach oben oder unten.

Wettermäßig sollte ich weniger in den Genuss von warmen Sonnenstrahlen als feucht fröhlichen Regentropfen geraten: Kaum habe ich den ersten Anstieg hinter mir, fängt es an zu schütten. Immer mehr Tropfen durchdringen meine Regenbekleidung, bis ich allmählich klitschnass durch den Wald stapfe.

Mit den Gedanken ganz woanders (Wie schütze ich meine Klamotten im Rucksack?) türmen sich allmählich immer mehr Elbsandsteine in Sichtweite auf. Auch der ein oder andere Besucher traut sich hier bei diesem Sauwetter vor die Türe.

Die Bastei: Und plötzlich steht sie vor mir

Die beliebteste Sehenswürdigkeit der Sächsischen Schweiz ragt jetzt direkt vor meiner Nase in die Höhe. Der Anblick verschlägt mir die Sprache und lässt den Regen plötzlich wieder ganz nebensächlich wirken. Wie beflügelt bewege ich mich von einem Elbsandsteinturm auf den nächsten. Auf der Brücke erhasche ich einen Blick über die Elbe. Es ist wundervoll hier oben zu stehen und dieses Naturwunder zu betrachten.

Die berühmteste Sehenswürdigkeit in der Sächsischen Schweiz: Die Bastei
Die berühmteste Sehenswürdigkeit in der Sächsischen Schweiz: Die Bastei
Mystische Stimmung in der Sächsischen Schweiz
Mystische Stimmung in der Sächsischen Schweiz

Unter anderen Wetterbedingungen würde ich sicherlich noch mehr Zeit hier verbringen und die vielen kleinen Wegoptionen zur Erkundung der Bastei nutzen, aber ich habe ja noch einige Stunden Wanderung vor mir und ziehe deshalb weiter.

Schnell wird die Gegend wieder einsam: ich begegne nur einem einzelnen Wanderer, einer geschlossenen Nationalpark-Informationsstelle, dem teils gefrorenen Amselfall. Ich genieße die Stille und das mystische Dasein des Waldes: Der Regen plätschert in smaragdgrüne Wasserläufe, die von Nebelschwaden behangen sind. Eiszapfen zeichnen die Überreste des Winters.

Grünbach Sächsische Schweiz an der Felsenbühne Rathen

Sächsische Schweiz - Gefrorene Wasserfälle
Hinterlassenschaften des langen Winters: Gefrorene Wasserfälle
Ziel der Etappe 2 des Malerwegs & Übernachtungsort: Burg Hohnstein
Etappenziel & Übernachtungsort: Burg Hohnstein

Tagesziel: Burg Hohnstein

Klitschnass erreiche ich Burg Hohnstein. Ich bin der einzige Gast im Jugendhaus und kann meine Klamotten im Gemeinschaftswaschraum zum Trocknen ausbreiten. Nur im Familienhaus übernachtet noch ein Pärchen aus Bayern, mit denen ich gemeinsam zu Abend esse. Zufrieden lege ich mich um halb 9 in meine Burgkammer und beende den ersten Tag 🙂

Zweiter Tag auf dem Malerweg: Die Fabelwesen und ich

Zweiter Tag alleine in der Natur. Von der Burg Hohnstein aus startet die Etappe 3 des Malerwegs direkt im Wald. Der Wald ist anders als die Wälder bei uns in NRW: Es ist viel dunkler. Die Bäume wachsen viel wilder in die Höhe. Gestein stapelt sich am Wegesrand. Gedankenverloren wandere ich los und die Stimmung wird immer gespenstischer. Einzelne Steine wandeln sich bei genauem hinsehen in Wesen mit Augen, Mund und Nase. Man wird hier auf Schritt und Tritt beobachtet.

 

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Etappe 3 Malerweg Sächsische Schweiz

Dann höre ich Geraschel und Bewegung. Da springt ein Mann mit Hund aus den Steinen hervor und mein Herz rutscht in die Hose. Erst als eine ältere Frau um die Ecke kommt, atme ich wieder auf. Was ein Schreck! Die Spaziergänger aus Hohnstein reißen mich aus meinen Fantasien und nehmen mich ein Stück mit bis zur etwas abgelegenen Gautschgrotte, die von einer 18 Meter hohen Felswand umrahmt wird. Schmelzwasser plätschert die Wände herunter. Wäre das Wasser nicht gefroren, würde hier sicher ein kleiner Wasserfall die große Wand hinunterfließen.

Gautschgrotte nähe Hohnstein, Malerweg, Sächsische Schweiz
Abzweigung nicht verpassen! Nach nur 100m steht man in dieser riesigen Felsgrotte!

Malerweg Etappe 3 - Eiszapfen

Ehemalige Papierfabrik & Linoleumwerk Kohlmühle, Sächsische Schweiz
Ehemalige Papierfabrik & Linoleumwerk Kohlmühle
Aussicht in das Umland des Elbsandsteingebirges
Aussicht in das Umland des Elbsandsteingebirges

Die dritte Etappe zeigt sich genauso vielfältig wie die Etappe zuvor: Mit Sonne & Wolken, Wasser & Eis, Wald & Wiesen, Treppen & Felsen. Außerdem beinhaltet sie einen Panoramablick über die flache Landschaft um das Elbsandsteingebirge.

Schließlich erreicht man das Örtchen Kohlmühle, in dem die meisten Gebäude rund 200 Jahre alt sind. Jedes Haus ist mit einem Schild behangen und erzählt seine jahrhundertealte Geschichte. Der Bahnhof wurde bereits 1877 erbaut; zunächst für Personenverkehr in die Natur und schließlich auch für Güterverkehr als Anbindung zur riesigen Papierfabrik, dem späteren Linoleumwerk Kohlmühle.

Beim Verlassen der Straße werden die Beine langsam müde. Die Eindrücke waren so vielfältig und sagenhaft, dass sich jeder Schritt über die letzte Wiese, der letzte Anstieg und das letzte Stück Wald wie eine Ewigkeit anfühlt. Dabei ist die Etappe morgen noch einmal um einiges schwieriger…

Dritter Tag auf dem Malerweg: Klettersteig und Kammweg

Die vierte Etappe ist mit 17.6km nicht nur die längste der drei, sicherlich auch die anspruchsvollste. Ich verlasse meine Unterkunft in Altendorf und der Malerweg zeigt sich sofort von seiner besten Seite: Über Stahltreppen gelangt man rund 100 Meter in die Tiefe. Die grünen Farne und Moose der Dorfbachklamm schaffen eine dschungelartige Atmosphäre. Im Jahr 1720 führte schon ein Arbeiterweg in die Steinbrüche. Seit 1938 ist der Weg in das Kirnitzschtal mit Geländern begehbar gemacht worden.

Die Elbsandsteine haben mich auf den ersten beiden Etappen schon beeindruckt, aber auf dieser Etappe sieht man Steinformationen eines anderen Kalibers. Und man sieht sie nicht nur, man besteigt sie.

Durch die Dorfbachklamm ins Kirnitzschtal
Durch die Dorfbachklamm ins Kirnitzschtal

Dorfbachklamm, Malerweg, Sächsische Schweiz

Kirnitzschtal Sächsische Schweiz

Malerweg Etappe 4: Elbsansteingebirge am Wegesrand.
Elbsansteingebirge am Wegesrand 😀

Highlight der Tour: Schrammsteinaussicht und Schrammsteingratweg

Das Highlight der Tour sind sicherlich die Schrammsteine. Ich kann es kaum erwarten, hier einen Fuß drauf zu setzten. Ich weiß mittlerweile schon gar nicht mehr, wie viele Eisen- und Holztreppen ich bereits hinter mir habe. Aber diese 90° Treppe hier auf die Schrammsteine wird mir sicherlich in Erinnerung bleiben.

Ich atme noch einmal tief durch, bevor ich an das Geländer fasse. Die Eisenleitern sind eiskalt und nass. Ich muss mich konzentrieren um nicht abzurutschen oder vor Kälte das Geländer loslassen. Mein Rucksack zieht mich ganz schön nach hinten. Dieser Abschnitt ist definitiv eine kleine Herausforderung und ein großer Adrenalinkick zugleich. Oben angekommen geht es weiter mit einem Drahtseilabschnitt und das Klettern wird belohnt: Die Aussicht auf die Schrammsteine ist wirklich großartig.

Malerweg Etappe 4: 90° nach oben: Klettersteig zu den Schrammsteinen
90° nach oben: Klettersteig zu den Schrammsteinen
Schrammstein mit Aussicht auf das Elbsandsteingebirge
Die Aussicht von den Schrammsteinen lädt zu einer kleinen Verschnaufpause ein.

Weiter geht es über den Schrammsteingratweg. Es ist nicht direkt vergleichbar mit den Alpen, aber man sollten keinen Schritt zu viel in die falsche Richtung wagen. Von hier aus erhascht man eine tolle Aussicht in alle Richtungen des Nationalparks. Man meint zwar, der Höhepunkt ist schon erreicht, aber an jeder Ecke wartet das nächste Abenteuer: Man muss immer wieder durch Felsen wandern, dann wieder durch den Wald an einem Wasserfall vorbei.

Die vierte Etappe ist super abwechslungsreich, das perfekte Wandererlebnis. Schließlich gelangt man zum Lichtenhainer Wasserfall, der gleichzeitig die Endstation der Kirnitzschtalbahn ist. Hier ist es sehr trubelig und der Malerweg führt ein Stück die Straße entlang. Der Wasserfall ist zwar beeindruckend, aber total verbaut mit touristischen Cafés. Ein paar hundert Meter weiter führt der Weg wieder in den Wald, wo einen ein ordentlicher Anstieg erwartet.

Wandern im Elbsansteingebirge
Die Elbsandsteine zeichnen den Weg
Auf dem Schrammsteingratweg, Sächsische Schweiz
Entlang des Schrammsteingratwegs.

Die letzte Attraktion der Etappe ist der Kuhstall, Felsenhöhle mit Aussicht. Hier kann man es sich im Biergarten gemütlich machen. Ende März hat allerdings noch alles geschlossen und ich bin die einzige. Die Holzbänke nutze ich für meine übrig gebliebenen  Kaffeereste. Ein älterer Herr kommt mir entgegen, als ich gerade weiterziehen möchte. „Ab Ostern bekommt man hier keinen Sitzplatz mehr“, warnt er, „so voll ist es hier“. Aber dazu mehr in meinen Insidertipps Malerweg. 🙂

Fazit zum Malerweg – Sächsische Schweiz

Der Titel verrät es schon und es ist ja auch kein Geheimnis: Der Malerweg ist die Crème de la Crème unter den deutschen Wanderwegen. Die Sächsische Schweiz sicherlich das Wanderparadies unter den deutschen Mittelgebirgen. Eine großartige 3-Tages-Tour

Mein Tipp: Der Malerweg ist ein Wandererlebnis für das ganze Jahr. Nur bei hohem Schnee, Eisglätte und starkem Regen kann es auf den vielen Stufen und an den Leitern gefährlich glatt werden. Wenn man sich entsprechend vorbereitet, haben besonders die menschenleeren Pfade außerhalb der Saison ihren Reiz. Denn, wer teilt schon gerne seine Leckerbissen? 😉

Infos zu den Etappen*

Etappe 2: 13,2 Kilometer, 5 Stunden Wanderzeit ↑ 502 m ↓ 321 m

Etappe 3: 11,7 Kilometer, 5 Stunden Wanderzeit ↑ 512 m ↓ 464 m

Etappe 4: 17,6 Kilometer, 7 Stunden Wanderzeit ↑ 668 m ↓ 753 m

*Diese und weitere Infos auf der offiziellen Webseite zum Malerweg.

17 Antworten auf „Malerweg Sächsische Schweiz – die Crème de la Crème unter den Wanderwegen

  1. Toller Beitrag und wundervolle Fotos!
    Und wieder ein schöner Beweis, dass der Malerweg nicht nur im Sommer bei schönem Wetter ein Genuss ist.
    Im Frühling, wie bei dir, oder jetzt im Herbst hat man vielleicht sogar Glück, und kann den ein oder anderen Kilometer allein genießen 🙂
    Geht die Wanderung irgendwann auf der anderen Seite der Elbe weiter?

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    1. Hallo Sebastian,

      vielen Dank für deinen Kommentar 🙂 Ja, im Herbst ist es sicherlich auch super schön dort. Ich bin ja nur die Etappe 2-4 gelaufen, da habe ich die Elbe nicht überquert.

      Viele Grüße
      Simone

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  2. Die Fotos sind traumhaft schön, ich wollte dich fragen wie du sie geschossen hast? Smartphone oder hattest du eine Kamera mit? Du hast alles wunderschön beschrieben, aber trotzdem… Darf ich als Frau alleine dorthin? Ist der Weg nicht zu gefährlich ohne Begleitung? Felsen? Einsamkeit?

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    1. Liebe Lissa,
      danke für deinen Kommentar. Ich hatte meine Systemkamera mit (Olympus E-PL7). Vereinzelt knipse ich aber auch mit dem Handy… Also ich habe mich – bis auf in der einen Situation überhaupt nicht unwohl gefühlt. Ich glaube, dass es in jeder Stadt abends gefährlicher ist, als tagsüber in der Sächsischen Schweiz. Also ja, ich würde sagen, man kann sich durchaus als Frau auch alleine auf den Weg machen. Während der Sommermonate kommt hinzu, dass wirklich viel mehr Wanderer dort unterwegs sind. Da braucht man sich noch weniger Sorgen um Einsamkeit machen 🙂 Hast du vor, dorthin zu fahren?

      Viele Grüße
      Simone

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